Offener Brief #01

Die Bürgerinitiative NEIN Zum Windpark Dirmstein hat einen offenen Brief zusammen mit den von unserer Bürgerinitiative erstellten Flyer, sowie mit ca. 30 Mitunterzeichnern der Bürgerinitiative, an den unten aufgeführten Verteiler gesendet.

Betreff: Offener Brief: Für den Erhalt unseres liebens - und lebenswerten Leininger Landes - Gegen den geplanten, riesigen Windpark zwischen Obersülzen und Dirmstein, der “Perle des Leininger Landes”

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Schweitzer! An das Bürgerbüro: bitte leiten Sie diese Mail an das Büro des Ministerpräsidenten weiter, herzlichen Dank!

Sehr geehrter Herr Professor Kopf (SGD Süd), Präsident

Sehr geehrter Herr Egelhoff (SGD Süd), bitte verteilen Sie diese Mail an Herrn Prof. Kopf und alle anderen Beteiligten weiter. Herzlichen Dank!

Sehr geehrte Frau Schelkmann (VRRN)

Sehr geehrter Herr Engel (VRRN)

Sehr geehrte Damen und Herren vom VRRN Planungsausschuss

Sehr geehrter Herr Rüttger,

Sehr geehrter Herr Krauß,

cc:

Sehr geehrter Herr Ortsbürgermeister Schütz, sehr geehrte Gemeinderatsmitglieder in Obersülzen,

Sehr geehrter Herr Ortsbürgermeister Schlüter, sehr geehrte Gemeinderatsmitglieder in Dirmstein,

Das Genehmigungsverfahren des o. g. Windparks befindet sich in der letzten Phase, eine Entscheidung durch die SGD Süd wird im September 2025 erwartet. Die Rede ist von 17 gigantisch hohen WEAs, 266m Gesamthöhe, Nabenhöhe 172m. Dieser neue Windpark grenzt unmittelbar an einen schon bestehenden Windpark mit 14 WEAs an und schließt die letzte noch freie Schneise für den Vogelzug am Haardtrand. Die schiere Höhe der neuen, geplanten Anlagen überragt die in der Umgebung bereits stehenden oftmals um mehr als 50%. Die Landschaft nördlich der A 6 ist bis hinauf nach Koblenz mit über 600 WEAs bereits jetzt schon über Gebühr belastet. Blickt man nach Süden, von Bad Dürkheim über Neustadt bis nach Landau finden sich genau sieben Anlagen! 

Das für den jetzt geplanten Windpark vorgesehene Gebiet wurde schon vor Jahren für die Nutzung mit Windenergieanlagen ausgeschlossen, weil es ein Schwachwindgebiet ist und im Windatlas auch als solches gekennzeichnet wurde. Außerdem ist hier schon länger die Ausweisung eines Naturschutzgebietes geplant. Die Dichte der bereits vorhandenen WEAs wirkt jetzt schon sehr bedrängend.

Weiter zeichnet sich das Gebiet durch bestes Ackerland aus. 

Das von der BayWa r.e. erstellte Avifaunistische Gutachten stellt fest “Mit 86 Vogelarten weist das Untersuchungsgebiet …ein außergewöhnliches Artenspektrum mit einer hohen Artenzahl auf”.

Außerdem “Der Anteil der nach § 7 BNatSchG streng geschützten Vogelarten ist mit 19 Arten als hoch zu bewerten. Zehn dieser Arten (Bienenfresser, Grauammer, Grünspecht, Kiebitz, Mäusebussard, Rohrweihe, Steinkauz, Turmfalke, Waldohreule) konnten als Brutvogel im Untersuchungsgebiet bestätigt werden.”

Und zudem noch “Fünf der bekannten Brutvögel im Untersuchungsraum sind in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands (Ryslavy, et al., 2020) gelistet und den Gefährdungskategorien 3 („gefährdet“ – Bluthänfling, Feldlerche, Star) und 2 („stark gefährdet“ – Kiebitz, Rebhuhn) zugehörig. Insgesamt ist der Untersuchungsraum unter avifaunistischer Betrachtung als hochwertig einzustufen.”

Die geplante Windvorrangfläche ist von 3 Vogelschutzgebieten umgeben:

Klärteiche Offstein (1,2 km Entfernung), Haardtrand (2,5 km Entfernung), Bobenheimer/Roxheimer Altrhein (6,2 km Entfernung).

Das Gutachten weiter “Bzgl. Windkraft schreibt der Maßnahmenteil des Bewirtschaftungsplanes den Ausschluss des Dirmsteiner Plateaus als Standort für Windenergie vor. Konkret handelt es sich dabei um die Offenlandflächen südlich und östlich der Klärteiche, die neben einer Rastfunktion für bspw. Kraniche auch als Nahrungshabitat für Weihenarten im Vogelschutzgebiet dienen. Auch ein Vogelzugkorridor ein- und abfliegender Arten werde durch die Errichtung von Windenergieanlagen gefährdet. Als Erhaltungsziel wird „der Verzicht auf Neubau von Windkraftanlagen auf den umgebenden Ackerplateaus insbesondere im Süden zwischen Obrigheim, Obersülzen und Dirmstein zur Sicherung der Nahrungshabitate der Rohrweihe, der Kornweihe und auch als Rasthabitat des Kranichs“ genannt (ARGE Höllgärtner-Gutowski, 2017)”.

Ebenfalls vor Jahren wurde bereits von der Verbandsgemeinde beschlossen, einen 6 km breiten Streifen entlang des Haardtrandes frei von WEAs zu halten. Die umliegenden Gemeinden hatten sich ganz klar gegen die Errichtung von weiteren WEAs ausgesprochen. Ein “Fehler” in der Bekanntmachung, der als leicht korrigierbar eingestuft wurde, soll nun als Begründung dafür herhalten, die Landschaft flächendeckend mit gigantischen Windrädern zuzustellen, gegen den erklärten Willen der Bevölkerung. Die beiden Ortsgemeinden Dirmstein und Obersülzen haben das gemeindliche Einvernehmen für den Windpark NICHT erteilt.

Neben den Aspekten für den Landschafts- und Naturschutz liegt uns Bürgern besonders der Erhalt unseres Naherholungsgebietes am Herzen. Zwischen 17 gigantischen WEAs ist kein entspannter Spaziergang mehr möglich. Und Hand aufs Herz: wer will schon “in der Natur” unterwegs sein, wenn von oben schädliche (Ewigkeits-)Chemikalien wie PFAS und der Abrieb der Rotoren-Oberflächen direkt auf die Spinat-, Radieschen-, Frühlingszwiebel- und Getreidefelder hernieder rieseln. Der Weinbau und das Grundwasser sind ebenso direkt betroffen. Wer von Ihnen, die Sie an der Entscheidung mitwirken, wollte seinen Schlafzimmerbalkon in Richtung eines solchen “Windparks” haben, die erste Anlage ca. 900 m entfernt?

Auch als Steuerzahler und Stromkunde kann man nichts finden, das für die noch weitere Verbauung der Landschaften mit WEAs spricht. Wir haben den teuersten Strom Europas, seit die sog. “Erneuerbaren” bei uns Einzug gehalten haben. Allein für den neuen, riesigen Windpark stehen ca. 185 Mio Euro an “Schwachwindzulage” über 20 Jahre im Raum, die der Steuerzahler an die Betreiber zahlen muss. Zusätzlich zu den ohnehin hohen und garantierten Abnahmepreisen, die gezahlt werden, wenn der Wind weht. Weht er nicht, kaufen wir (Deutschland) unter anderem Atomstrom teuer aus dem Ausland und halten herkömmliche Kraftwerke im Standby. Analog wird mit den Solaranlagen verfahren. Wind und Sonne schicken keine Rechnung - wohl wahr - aber die Betreiber tun das, und unsere europäischen Nachbarn auch, wenn wir Strom brauchen (wg. Dunkelflaute) oder zu viel haben (wenn der Wind weht UND die Sonne scheint - Hellbrise). Einen sorgsamen Umgang mit unseren Steuergeldern, unseren Landschaften und unserer Umwelt stellen wir uns anders vor.

Zur besseren Verdeutlichung, worum es uns Bürgern geht, die künftig diesen riesigen Windpark mit 17 gigantischen WEAs, bisher einzigartig in ihrer Dimension und Anzahl, vor der Haustüre haben sollen, füge ich einen Flyer als pdf-Datei bei.  Die Bilder in diesem Flyer wurden mit Hilfe einer speziellen Software erstellt, die Höhen, die Abstände und die Topologie haben eine Fehlertoleranz von < 1 m. Wollten Sie das vor Ihrer Haustüre haben?

Ebenfalls beigefügt finden Sie eine Unterschriftenliste gegen den Windpark.

Die Rechtslage ist uns gut bekannt und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Sie stellt den Kern unserer Sorgen und Kritik dar. Fast geräuschlos von Herrn Habeck und der Ampel durchgewunken, macht sie uns Bürger recht- und wehrlos und ermöglicht der Windkraft Lobby via Subventionen Zugriff auf unsere Steuergelder in unvorstellbarem Ausmaß.

Sie alle sind in irgendeiner Form entweder direkt oder indirekt an der Genehmigung beteiligt oder können darauf Einfluss nehmen. Wir möchten Sie sehr herzlich bitten, die Genehmigung für diesen Windpark nicht zu erteilen. Machen Sie bitte Politik für Land und Leute!

Freundliche Grüße und recht herzlichen Dank!

Bürgerinitiative “NEIN zum Windpark Dirmstein”

Nachtrag 15.10.2025

Eine Antwort kam von der SGD Süd (Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt/Ws. Die Behörde sei weisungsgebunden und habe kaum Spielraum. Trotz mehrerer schriftlicher Anfragen kam keine Antwort aus dem Ministerium in Mainz. Erst auf  telefonische Nachfrage erreichte uns am 15. Oktober 2025 eine lapidare Antwort, in der auf keine der unten  aufgeführten Punkte eingegangen wurde. Hier ein Auszug:

“Das Verfahren erfolgt unter strikter Beachtung der einschlägigen gesetzlichen Vorgaben sowie unter Einbeziehung aller relevanten Fachbehörden und Träger öffentlicher Belange.
Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir uns zu laufenden Verfahren inhaltlich nicht äußern können. Dies dient der Wahrung eines fairen, objektiven und rechtskonformen Verfahrens. Seien Sie jedoch versichert, dass sämtliche relevanten Belange sorgfältig geprüft werden.“

Wir werden uns  in den nächsten Tagen nochmals an das Ministerium wenden und um Antworten auf die gestellten Fragen bitten.

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